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Coronavirus: Streit um Schulsperre

Die Sperre eines Wiener Gymnasiums wegen eines Coronavirus-Verdachts hat am Mittwoch für Aufregung gesorgt. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) kritisierte die Sperre als übertrieben. Streit gibt es darüber, wer sie überhaupt anordnete.
Das Gymnasium in der Albertgasse in Wien-Josefstadt war am Mittwoch für mehrere Stunden abgeriegelt. Der Grund: Bei einer Lehrerin bestand nach einem Italien-Aufenthalt Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion. Am frühen Nachmittag kam dann die Entwarnung: Das Testergebnis bei der Lehrerin war negativ.

Mit der Entscheidung, eine Schule mit hunderten Schülern stundenlang abzuriegeln, sei die Wiener Stadtregierung übergangen worden, kritisierte Hacker gegenüber „Wien heute“: „Wir sind da, um den Menschen zu helfen und nicht, um Panik zu verbreiten“, so der Gesundsheitsstadtrat. „Daher hab ich gar kein Verständnis für lustige Cowboyaktionen.“ Die Sanitätsdirektion der MA 15 mit drastischen Maßnahmen wie einer Sperre lieber zugewartet, bis die Lehrerin tatsächlich positiv getestet worden wäre.

Erlass soll Klarheit bringen

Der Generalsekretär im Bildungsministerium, Martin Netzer, setzte sich im Interview mit Ö1 zur Wehr. Das Bildungsministerium könne eine Schulsperre gar nicht veranlassen. Sie sei von der Sanitätsdirektion in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium erlassen worden. Im Gesundheitsministerium verwies man wiederum auf den Krisenstab des Innenministeriums. Dort hieß es, dass polizeiliche Sicherungsmaßnahmen lediglich im Auftrag durchgeführt und nicht selbst veranlasst werden. Wer hat also den Auftrag für den Polizeieinsatz bei der Schule gegeben? Laut dem Polizeiprotokoll war es die MA 15, die beruft sich wiederum auf einen Ministerratsbeschluss. Denn man habe die Polizei nicht alarmiert, heißt es von der MA 15 gegenüber „Wien heute“. Was bleibt, ist ein Kompetenz-Wirrwarr – das jetzt gelöst werden soll.

Vorsorgliche Sperren von Bildungseinrichtungen soll es künftig nur im Anlassfall geben, erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober von den Grünen in der „Zeit im Bild“: „Wenn es eine Erkrankung in einem Kindergarten gibt, dann hat das selbstverständlich Konsequenzen und dann nehmen wir das extrem ernst. Aber rein auf Verdacht planen wir das nicht.“ Anschober plant dazu einen Erlass zu veröffentlichen.

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